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Wieder sieben Etappen, wieder 20.500 Hm, wieder 850 km. MBR-Redakteurin Lisi Hager berichtet von ihrer zweiten Jeantex-Tour-Transalp

Samstag, 26.6.


Ist beim zweiten Mal alles anders? Oder alles gleich? Wie wird das Wetter? Und hat Petr wieder diese köstlichen Graham-Stangerl im Gepäck?
Fragen über Fragen vor meinem zweiten Antritt zur Straßen-Transalp. Aber wenigstens das berühmte "Was ziehe ich an?" kann ich mir sparen. Heuer nämlich ist grün modern, und darum habe ich Sport Hrinkow um das passende Outfit gebeten. Und auch bekommen, nebst Reisegeld für meinen Partner Petr Cirkl und mich. Aber macht euch keine Hoffnungen, ihr 2RadChaoten: ich bin nur verliehen, ihr werdet mich nicht los! (An dieser Stelle herzlichen Dank an NoPain für die Freigabe und Alex Hrinkow für die Unterstützung)

Ab morgen fahren Petr und ich also wieder im Zweierteam über die Alpen. Ach, wie ich mich freu! Ach, wie ich mich fürcht'! Denn zum einen liegen auf dem Weg von Oberammergau (GER) nach Garda (ITA) 16 Pässe und damit jede Menge Tret- und Schiebe-Arbeit vor uns, zum anderen sind wir Titelverteidiger der Kategorie Mixed. Also nicht mehr die mountainbikenden Underdogs des Vorjahres, die keiner kannte und jeder ziehen ließ...

Ehe es jetzt losgeht in Richtung Höhenluft, Sekundenkrimi und alter Freunde (Rainer! Echt nicht?), machen wir noch einen Zwischenstopp bei Muttern und Vatern. Nudelauflauf heißt ihr Lockmittel, und meine diesjährigen Mitreisenden muss ich ihnen ja auch noch vorstellen: Natürlich den Petr, die Maschine;-). Frisch eingeflogen aus Schweden auch wieder seine Freundin Karin (nunmehr geprüfte Masseurin - Petrs Schiebe-Arm wird's brauchen können). Und "Taxi Driver" Mbiker, mit dabei in der Doppelrolle des Betreuers und Fotografen.


„Drei Räder, vier Leute und all unsere Sachen? Das geht sich locker aus“, versprach Petr – na ja, fast ...

Mei, is der liab! Übrigens: Grahamstangerl hat er keine dabei, dafür köstliches „Sauerkraut-Brot“!

Sonntag 27.6.2004


Anschieben? Flasche tauschen? Treten? Gel verlangen? So ein Stress, wenn die Betreuer nahen ...
Oberammergau - Ischgl (142 km/2.521 Hm, ca. 4:40 Fahrzeit)
Puh und juhu! Ein beinharter erster Tag mit dem bekannt bösen Rampen des Hahntennjochs, vor allem aber zähen 40 Schlusskilometern, immer leicht bergauf und dazu einen wahren Gegensturm. Sowas mag die Lisi gar nicht, aber wir haben wiederholt, was wir auch im Vorjahr gemacht haben: Gleich am ersten Berg attackiert, und zwar gewaltig und deshalb auch erfolgreich. Hab geglaubt, mir platzt die Lunge, dafür war von den anderen Mixed-Teams bald nichts mehr zu sehen. Dann in wahrhaft rasender Fahrt hinunter nach Imst, und damit hatten wir den Vorsprung, der uns heil und in Front über die Schlusskilometer brachte. Yeah!
Wie erwartet, ist die Konkurrenz dichter und besser, und zwar nicht nur in der Mixed-Kategorie, sondern überhaupt. Fast 500 Teams sind am Start, im Vorjahr waren es 289. Wir profitieren enorm von den Erfahrungen aus 2003 - das Anschieben klappte von Beginn an hervorragend, und auch um unsere Stärken (mittel-steile Anstiege) wissen wir genau Bescheid und können uns das Rennen entsprechend aufteilen.
Was jetzt, beim zweiten Mal, auch sehr fein ist: All die lieben Leute wiederzutreffen, die auch im Vorjahr schon dabei waren. Und sich damit ein paar Vorteile zu verschaffen ... Wer sich kennt, arbeitet besser zusammen, und zum Tratschen gibt's auch immer jemanden ;-). Unsere ekelige, ursprüngliche Startnummer (433) konnten wir nach einem Wiedersehen mit Jan Leschinsky von der Veranstalter-Agentur auch in eine 1.Block-Nummer ändern ...
Jetzt lungern wir ziemlich erledigt in den Zimmern herum und warten auf das Essen - wenn das so reichhaltig ist wie die Zielverpflegung, kann ich mich in Kürze nicht mehr bewegen - ich sags doch: puh und juhu!

Sieg! Reichlich erledigt, aber auch ganz schön weit vorn waren wir, als es über die Ischgler Ziellinie ging.

So schee, do ob'm!

Montag, 28.06.2004


Die Kunst der Improvisation: Der Küchen- wird zum Massagetisch, der Petr so schräg hingelegt, dass er das 3:0 live verfolgen kann.

Ischgl - Sölden (119 km/2.504 Hm,4:00 Fahrzeit) So richtig fit waren wir ja nicht, heute morgen. Gewitter und heftige Regenfälle haben mich immer wieder aufgeweckt, und Petr ist überhaupt spät ins Bett gekommen. Schließlich spielte Tschechien bei der EM, da hieß es Daumen halten!

Kurz vorm Start haben sich die Regenwolken Gott sei Dank verzogen, das Hrinkow-Jäckchen haben wir trotzdem über unsere Leader-Jerseys gestreift, standen doch 20 km neutralisiert bergab am Beginn unserer Etappe. Aus diesen ging es pfeilgerade in den Tobadill, eine Qual von einem Berg! Zwar nur kurz, aber grausig steil, hatten wir dort mit unseren Übersetzungen zu kämpfen, Petr kommt bei solchen Rampen außerdem so gut wie zum Stillstand, wenn er anschiebt.

Die zweite Challenge war die Pillerhöhe. Ebenfalls viel zu steil, um unseren Teamwork-Vorteil voll auspielen zu können, ist uns dort ein italienisches Mixed-Team auf den Leib gerückt. Dessen Frau ist dreifache Olympia-Medaillengewinnerin im Florett-Fechten, fährt 18.000 Trainingskilometer im Jahr (also ca. das Doppelte von mir) und ist unglaublich stark. Deren Mann ist ein Komplexhaufen.

Plötzlich hat er nämlich angefangen, Petr und mich in den schillerndsten italienischen Farben zu beschimpfen, irgendeinen Schmarrn von wegen Disqualifikation dahergestammelt und schließlich sogar vorsätzlich Petr am Anschieben gehindert, indem er immer knapp vor ihm oder mir blieb. Keine Ahnung, ob er der Meinung war, dass Schieben nicht erlaubt sei, oder einfach sauer, weil er selbst nicht stark genug ist, um seine Partnerin systematisch zu unterstützen, jedenfalls haben wir die ganze Pillerhöhe hoch diesen schimpfenden Rohrspatz an unserer Seite gehabt, Petr hat tschechisch pariert, ich hab versucht, ihm auf englisch das Reglement zu erklären und ihm auch ein paar deutsche Ungepflogenheiten nachgeschmissen und die anderen rund um uns hatten ob dieser Mixtur ihren Spaß.

Oben war's dann vorbei, Dorina ließ nämlich bergab einiges anbrennen, während ich beherzt die nächste Gruppe holte. Dank dieser (herrlich groß und einigermaßen mit System unterwegs) konnten wir eine Minute Vorsprung ins Ziel bringen. Hoffentlich finde ich heute Abend noch wo einen Dolmetscher, um diese Sache mit den beiden auszudiskutieren. Habe nämlich keine Lust, mich jetzt eine Woche lang beschimpfen zu lassen für ein völlig Regel-konformes Verhalten ...


Business as usual: Flaschen-Waschen ist noch die angenehmste aller Tätigkeiten, die einem den Transalp-Nachmittag „versüßen“.

Tja, dieses Panorama von der Pillerhöhe hätten wir vielleicht kurz genießen können, wären wir nicht mit Treten und dem Italiener vollauf beschäftigt gewesen. Aber Martin hat’s ja eh fotografiert ...

Dienstag, 29. Juni 2004


Sport ist, wenn man trotzdem lacht ... Rainer Fuhrmann, am Jaufenpass bereits ohne Teampartner unterwegs.
Sölden - Brixen (126 km/3.216 Hm, 4:37 Fahrzeit) Vor dem heutigen Etappen-Bericht noch ein Nachtrag zu den abendlichen Pasta Parties: Erstens war das, was an Kulinarischem bisher geboten wurde, fantastisch, zweitens gab's auch drumherum immer jede Menge Highlights: Klarerweise Uli Stancius Strecken-Vorschauen und die Siegerehrungen, aber auch richtige Show-Acts. In Ischgl zeigte Hans Rey eine Trial-Vorführung, dass die Rennradler nur so mit den Ohren schlackerten, in Sölden war gestern ein Balance-Künstler namens Markus mit einer beeindruckenden und nebenbei auch wirklich witzigen Show auf einem fast vier Meter hohen (!) Einrad.

Wie auf einem ebensolchen bin ich mir heute morgen auch erst mal vorgekommen: Am Programm stand, kaum das Söldner Ortsschild hinter uns gelassen, mit dem Timmelsjoch der höchste Punkt der Transalp. Und so einer will erst mal erklommen werden, wenn in den Oberschenkeln so gar nichts geht ... Die Rechnung für meinen Bummelzug bekamen wir umgehend serviert: Fünf Kilometer vor dem Gipfel stellte uns das Team Südtirol. Monikas Stärke am Berg kenne ich noch zu gut von der Bike-Transalp 2002, aber auch ihr Zögern abwärts. Also dranbleiben, koste es, was es wolle, und Vollgas abwärts - mit Erfolg, in der Einfahrt zum Jaufenpass waren sie nicht mehr zu sehen. Und plötzlich klappte alles wie am Schnürchen, Beine wieder da, die Steigung ideal zum Anschieben, das Team Nr. 9 zügig unterwegs - und gerade als sich Petr zu einer Pinkel-Pause abseilen wollte, erblickte er erneut "die Blauen".
Also wieder rauf auf's Rad und nach oben retten, was zu retten war. Das sind die Momente, die ich bei Etappenrennen gleichzeitig liebe und verfluche; wenn aus einem Körper, der eigentlich nur noch nach Pause oder Ende schreit, immer noch was rauszuholen ist. Tatsächlich setzten wir uns erneut ab, Puls 183 am dritten Renntag sagt wohl alles. Bis unten bauten wir unseren Vorsprung aus und erwischten erneut eine flotte Gruppe, die uns nach Brixen brachte. Muchas Gracias, zumal wir uns damit sogar ein paar Minuten Polster im Gesamtklassement holen konnten!
Mindestens ein Team dürfte heute aber nicht nur geschafft, sondern zudem auch enttäuscht sein: Martin Hochleitner, gemeinsam mit Rainer Fuhrmann unterwegs für die 2Radchaoten, musste wegen Atmungs-Problemen aufgeben.

So stressig die Rennstunden sind, so gemütlich versuchen wir die Nachmittage zu gestalten: Martin (spätestens seit Italien ebenfalls in der Bredouille, weil hier für uns die Straßen eine Stunde gesperrt werden - da wird Betreuen zum Zitterspiel...) ist Rad fahren, Karin nahm ein Sonnenbad und hat mich dann massiert, Petr hat derweilen seine "Futter-Tasche" um ein paar Köstlichkeiten erleichtert und wird jetzt massiert. In Kürze geht's auf den hübschen Domplatz in der Altstadt, Sieger ehren, Speicher füllen und südliche Wärme genießen.

Grün ist die Farbe der Sieger, nicht nur gestern in Sölden sondern auch wieder heute in Brixen!

Welcome Italy! Mit noch ganz schön viel Schnee empfing uns auf 2.509 Meter die Landesgrenze am Timmelsjoch.

So sieht jemand aus, der soeben unsere blonde Pipi-Langstrumpf am Straßenrand erblickt hat.

Und auch die Vorjahres-Master-Sieger, Alois Sinzinger und Johann Rindler, konnten auf ihrem Weg zum ersten Klassensieg 2004 die Augen nicht von Karin lassen ...

Mittwoch, 30. Juni 2004

Brixen - St. Vigil (92 km/3.178 Hm, 3:59 Fahrzeit) Himmel, hilf! Entweder beim Verkürzen des Würzjoches, oder beim Abtragen des Furkelpasses, oder einfach nur beim Drüberrasen über diese beiden namhaften Erhebungen des heutigen Tages. Elendslang (35 km, 1.400 Hm) das eine, sausteil (bis 20%) der andere, und dazwischen auch noch auf einem schmalen Straßerl mit bösen, bösen Rampen um den Kronplatz.

Weggezogen sind wir wie die Blöden, in einer Gruppe mit den führenden Masters und GrandMasters. Schließlich war klar, dass wir uns auf dem flachen Würzjoch jenen Vorsprung holen würden müssen, der uns dann vielleicht bis ins Ziel abpolstern kann. Bis oben konnte ich dieses Tempo zwar nicht halten, und auch Team Südtirol war dort nicht wirklich weit weg, aber wozu gibt's denn hurtige Abfahrten! Ha, falsch gedacht! Einer, der es wohl nicht vertragen konnte, bergab von einer Frau überholt zu werden, hat jeden einzelnen meiner Versuche, innen vorbei zu gehen, mit fiesem Zumachen und Schneiden quittiert. Bis ich so verunsichert war, dass ich es bleiben ließ und hinter ihm runterwappelte.

Umso überraschte waren Petr und ich, als unterm Kronplatz nicht "die Blauen", sondern "die Italiener" aufschlossen. Schimpfend und blockierend wie vorgestern, bis ich mir ein Herz nahm und antrat. Wer braucht schon restliche Kräfte für den Furkelpass? Tatsächlich schüttelten wir die Ungustl'n ab und gingen mit zwei Minuten Vorsprung in den härtesten Berg der ganzen Transalp. Zu Beginn der horrend steilen neun Kilometer versuchte Dorina noch, uns einzuholen - solo, denn ihr Partner war zu keinem flotten Tritt mehr fähig. Es blieb aber bei den ca. zwei Minuten Vorsprung, weshalb wir nach dem einzigen Flachstück etwas Tempo rausnahmen. Zufällig warf Petr aber noch mal einen Blick zurück - und siehe da: Monika im Anmarsch! Also auch die letzten zwei Kilometer nochmal treten, was die "Maschine Mensch" hergab, und damit war ein weiterer Tagessieg gerettet.

Welche Bewohner dieses Haus wohl für eine Nacht beherbergt?

Geschichten, die das Leben schreibt: Gestern noch feierten Günther Schatz und Matthias Höfler ihr Leader Jersey der Herren, heute stürzte das Team Sölden-URC Ötztal bei der Abfahrt vom Furkelpass. Resultat: Abschürfungen allover, und eine gerissene Finger-Sehne. Hoffentlich geht’s trotzdem morgen weiter!

Hätte man nur Augen, die herrliche Umgebung zu genießen! Obwohl: Peitler Kofel und Tullen (im Hintergrund) sind auch mir aufgefallen, Leader-Stress hin oder her.

Fast ein déjà-vu: Vor exakt einem Jahr saßen wir ebenfalls mit Jausensackerl auf St. Vigiler Boden, diesmal gesellte sich auch Rainer, der „geborgte Chaot“, dazu.

Donnerstag, 1. Juli 2004

St. Vigil - Wolkenstein (121 km/3.498 Hm, 4:59 Fahrzeit) Zuerst Geschichten von gestern zum Nachholen...
Eine traurige vorweg: Team Sölden kann nicht mehr weiterfahren, Günther ist mit seinem Schnitt durch den Handrücken und zusätzlich einem Rippenbruch zu sehr bedient. Gute Besserung an dieser Stelle und herzliche Gratulation zu den Leistungen, die ihr bis dahin vollbracht habt und sicher noch hättet vollbringen können. Kopf hoch! Eine irgendwie bizarre hab ich auch: Team 355, gestern noch eines der verdientesten Zugpferde in unserer Gruppe nach Brixen, stürzte ebenfalls am Furkelpass, ganz oben. Männer heil, Rad kaputt. Genauer: Ein Cannondale Rahmen ist in der Mitte entzwei gebrochen, die beiden sind auf einem Rad (!) - im Damensitz auf dem Oberrohr - zu Tale gefahren. Saskia Stock, working for Cannondale und selbst in einem Damenteam flottest dabei, hat sich daraufhin spontan bereit erklärt, einen neuen Rahmen zu stellen. Das Rennen fahren die beiden einstweilen mit einem vom Rose-Versand zur Verfügung gestellten Bike zu Ende.

Aber die Story geht noch weiter: Kurz darauf stürzte ein weiterer Teilnehmer, Mann ebenfalls gesund, Sattelstütze kaputt. Da gab doch glatt Team 355 die heile Sattelstütze vom zerstörten Rad an den Unglücksraben weiter, der daraufhin gemütlich sitzend runter rollen konnte ... Wie heißt's doch noch mal in der Transalp-Ausschreibung: Was zählt, sind Teamgeist und Zusammenarbeit - auch, wenn das unsere lieben Mixed-Italiener nicht so sehen ... (sorry, der Seitenhieb musste sein). Ja, und ein paar Dankesworte gehören auch noch zum gestrigen Tag: Allen jenen, die in St. Vigil für das leckere Abendessen und den herzlichen Empfang verantwortlich waren. Und dem Video-Team für wahrhaft feine Filme des Tages - morgen lauf ich glatt zum Tour-Mobil und bestelle mir doch noch die DVD ...

Crash, boom, bang – und schon hatte Markus Seeber zwei Cannondales.

Pasta Party: Das heißt bei der Transalp nicht nur Essen fassen, sondern auch Geschichten des Tages hören, Fundstücke wiederbekommen, Strecken-News hören, Filme anschauen uvm.

St. Vigil ist ein netter Flecken, sowohl für Biker als auch für Rennradler. Und romantische Seelen können abends die tagsüber erklommenen Berge in tiefrot bis blassrosa bewundern.

Team Hrinkow’sche Arbeitsteilung: Lisi hackelt, Karin und Petr schauen Fußball und trinken Bier, Martin sorgt für den bildlichen Beweis dieser Ungerechtigkeit.
So, und nun zu heute:
Böses Erwachen für zwölf Teilnehmer: Räder gestohlen! Aus den Hotelkellern rausgefladert - unter anderem auch betroffen: Jens Schwedler und Malte Urban, deutsche Cross-Meister und Mitfavoriten bei den Herren. Der Rose-Versand hat im Akkord gearbeitet, um Ersatzräder aufzubauen, und schließlich konnten die Bestohlenen mit einer halben Stunde Verspätung dem Feld nacheilen.
Wir hingegen hatten einen netten Morgen, vertrödelten uns ein wenig beim Bike-putzen, und machten das zehnfach wett am ersten Berg. Mit einem wahren Höllentempo schafften wir es bis fast zum Gipfel des Passo Valparola, in Sichtweite zur Spitzengruppe (!) zu bleiben. In den letzten, steileren Kehren brach ich dann ein, bis unten war's aber wieder gut.
Am Passo Giau entdeckten wir eine neue Schiebe-Methode: Petr fährt leicht versetzt vor mir, streckt eine Hand nach hinten, ich schnapp sie mir, er zieht mich nach vor. Kraft-mässig ist es so leichter für ihn, und schnuckelig aussehen tut es sicher aus, wenn sich zwei Biker so lieb haben, dass sie einander ständig an den Händen halten müssen ;-)

Uli Stanciu hatte nicht zuviel versprochen: In puncto Aussicht und landschaftlicher Highlights ging es heute Schlag auf Schlag. Hier ein Blick zurück vom Passo Valparola.

Hinüber, wie ich nach der heutigen Etappe war, ging's nach der Dusche sofort an den Regenerations"tropf". Tat das gut!
Noch zwei Pässe standen heute am Programm, dazwischen auch noch einige Hügel, alles in allem ein ordentliches Pensum. Über das Grödnerjoch hab ich noch mal all meine Kraft zusammengenommen, damit wir nicht wieder im letzten Moment unter Zugzwang kommen. Runter hab ich dann ausnahmsweise nur noch rollen lassen - man soll nicht unnötig riskieren, wenn man schon dunkelblau ist ...
Im Ziel dann ein großer Aufruhr unter den Mixed-Teams und etwa 20 Zeugen: Dorina und Michele haben abgekürzt! Über den ersten Berg kamen sie nämlich nur als vierte, und am Grödnerjoch wurden sie plötzlich VOR uns gesehen, obwohl überall dazwischen keine Spur von ihnen war. Irgendwo müssen sie dann noch mal gewartet haben, ins Ziel fuhren sie nämlich als Dritte. Und gaben anschließend völlig ungeniert Intervies für's Fernsehen! Wir haben Protest eingelegt, der Rennleiter wird die Zwischenzeiten kontrollieren - hat er welche, kann er nichts machen, meint er. Da bin ich mal gespannt. Diese Unsportlichkeit ist es mir Wert, dass wir sämtliche Zeugen zusammentrommeln und auch mit vorhandenen Zwischenzeiten etwas gegen die beiden unternehmen. Bin ja normal echt nicht streitsüchtig, aber so was ist mir echt zu blöd. Und überhaupt: Wie kommen Nicole Heine und ihr Partner vom Polar-Team dazu, um ihren dritten Rang betrogen zu werden?

Unsere lieben Zimmernachbarn ...Gestern wie heute waren Michi Weiß (nein, nicht der, der andere!) und Roland Kloß samt Betreuerstab im gleichen Hotel.

Auch das muss sein, wenngleich ich es nach Petrs Meinung viel zu schlampig mache (Aber ich fahre ja auch kein so schönes Hrinkow-Bike wie er): Morgentoilette für mein Rad!

Die Ruhe vor dem Sturm – nur selten geht es an den Labstationen so beschaulich zu wie auf jener am Passo Valparola, ehe die Meute anrollte.

Wenn die Carabineri eine Straße sperren (jeweils bis eine Stunde hinter der Spitzengruppe), gibt’s kein Durchkommen mehr. Weder für Betreuer-Autos, noch für den Tour-eigenen Gepäckwagen, noch für die zahlreichen Radfahrer, die ihrem Hobby frönen wollen.

Freitag, 2. Juli 04

Wolkenstein - Levico Terme (123 km/2.573 Hm, ca. 4:15 Fahrzeit)
Weg sind sie, die Italiener! Zwar wurden sie nicht offiziell disqualifiziert und kamen diesem Schritt außerdem zuvor, indem sie gestern Abend abreisten, aber aus der Ergebnisliste wurden sie jedenfalls rausgenommen.
Eitel Wonne also heute morgen, hätte man glauben können. Mitnichten! Erstens waren wir müde, weil das elektronische Schloss unserer Unterkunft am Abend den Geist aufgegeben hatte und wir eine Stunde auf den Generalschlüssel warten mussten, demzufolge spät ins Bett kamen. Zweitens war Petr enttäuscht über das fußballerische Abschneiden "seiner" Tschechen. Und drittens das Wetter: Ein bisschen erinnerte mich die Szenerie an "täglich grüßt das Murmeltier", nur, dass unser Intervall ein jährliches war: Wie auch 2003 sollte Freitag der Tag sein, an dem wir schon im Startblock patschnass und durchfroren sein würden. Es regnete nämlich in Strömen, und so richtig warm war's eigentlich auch nicht. Trotzdem: den Schüttelfrost vom Vorjahr ersparte ich mir, obwohl auch diesmal wieder 60 km abwärts anlagen. Das Wetter hatte nämlich ein Einsehen, kurz nachdem wir die Passhöhe des Sellajochs erreicht hatten. Durch die ersten Kehren bergab ging's zwar noch im Blindflug, weil der Nebel so dicht über der Straße hing, aber dann klarte es auf, und als einziges Problem blieben die rutschigen Kurven.Nachdem unser Vorsprung mit einer halben Stunde ja mittlerweile ein komfortabler ist, riskierten wir überhaupt nichts und zuckelten langsam nach unten, wo uns erste Sonnenstrahlen gleich mal das Schwitzen lehrten.

Noch viel mehr tat dies allerdings die etwas unglückliche Gruppe, die sich im Tal bildete: Keine Ahnung von Formation und Zusammenarbeit, statt dessen Schwenks, wo keine hingehören, Ausreiß-Versuche, wo sie völlig sinnlos sind, und vor allem nicht annähernd die Koordination, die's braucht, um die eine Minute vor uns liegende Riesengruppe zu erwischen. Also bissen Petr und ich in den sauren Apfel und machten alleine zu - uff, das brannte in den Beinen! Kaum angelangt, begann das Feld zu bummeln, sodass Gruppe um Gruppe aufschloss. In den Manghenpass mussten wir deshalb erneut mit Monika und Werner im Rücken gehen. Also wieder das alte Erfolgsrezept ausgepackt: Vollgas, solange es flach ist, und dann möglichst lange Tempo halten. Anders als am Sellajoch, wo meine Beine durch Abwesenheit geglänzt hatten, ging's hier ganz gut. Aber 1.200 Hm sind kein Pappenstiel, zumal es nach oben hin steiler und steiler wurde. Und immer wieder wand sich die schmale Straße um eine Kuppe herum, um fröhlich weiter bergauf zu führen, statt endlich mal wieder runter. Obwohl wir in den letzten Kehren garantiert zu Fuß schneller gewesen wären, kamen bis oben keine Verfolger in Sicht, was aber nichts heißen muss. Schließlich waren wir so fertig, dass wir noch nicht mal die Berge vor unserer Nase registrierten, wie soll man da verhältnismäßig kleine Radfahrer ausmachen? Die sagenhaften 1.600 Hm Abfahrt waren hingegen ein wahrer Genuss, und dann fand sich unter kräftiger Mithilfe eines Steyrers (Alexander Seemann, mit besten Empfehlungen an Hr. Hrinkow...) auch ein feines Grüppchen für die Schlusskilometer.Anders als im Vorjahr und auch anders als gestern, müssen sich heute die langsameren Teilnehmer nicht vor Gewittern fürchten. 26° hat's draußen, und die Wolken sind harmlos. Ist auch gut so, schließlich hat Levico diesbezüglich aus 2003 noch etwas gutzumachen ...


In Wolkenstein durften endlich mal alle Gesamt-Führenden gemeinsam ihre Jerseys abholen. Und siehe da: Neben den Orangen sind doch auch die Grünen wohlbekannt, oder? Unsere liebsten "Gegner" aus 2003, Sepp Bart und Max Pritzl, tragen auch heuer wieder das Führungstrikot der GrandMaster!

Da haben wohl zwei Konkurrenz-Teams Freundschaft geschlossen: Sowohl die Ötzis als auch die Langenloiser liegen phänomenal im Rennen und arbeiten offensichtlich so gut zusammen, dass sie dies per Ziellinien-Shakehand demonstrieren wollen.

Die Kunst der Improvisation I: Mein nagelneuer Wäschetrockner ...

Jeden Tag werde ich im Ziel als erste Dame gefeiert, dabei sind doch diese beiden ungleich stärker: Astrid Kopp und Karin Gruber (Salzburg/Kärnten) dominieren die Damen-Wertung nach Belieben und liefern unglaubliche Rennergebnisse. Gerade mal eine Viertelstunde können wir den beiden täglich abknöpfen. Helm ab, Mädls!

Täglich dürfen wir es wieder geben: das Siegerinterview!

Die Kunst der Improvisation II: Petrs tolle Waschstraße ... Wenn das der Hotelmanager wüsste!

Samstag, 3. Juli 2004

Levico Terme - Garda (112 km/2.367 Hm 3:49 Fahrzeit) Sorry for delay, aber irgendwie hatte ich gestern so gar keine Lust mehr, mich hinzusetzen und zu tippen. Erst war ich zu erledigt, dann zu beschäftigt mit mich freuen und genießen ...

Petr und ich hatten uns sehnlichst gewünscht, dass wir unseren Gesamtsieg gemütlich würden "heimbringen" dürfen und so ganz nebenbei auch Tagessieg Nr. 7 einstreifen würden können. Aber Nicole Heine wollte es noch mal wissen, und nahm bei ihrer Attacke gleich die Südtiroler auch noch mit. Gleich zwei Gemischte auf unseren Fersen über den 35 km langen, zähen Rücken des Monte Baldo! Wir durften also noch mal richtig leiden und richtig hinhalten, trotzdem war die Fahrerei irgendwie "entspannter". Oder zumindest mein Kopf nicht mehr jede einzelne Sekunde auf das Rennen konzentriert. Zum Beispiel musste ich permanent an ein paar Szenen dieser Woche denken. Jenen Teilnehmer, der seine am Regentag mit Klebeband fest umwickelten und dadurch wasserdichten Radschuhe als "Jeantex für Arme" bezeichnete. Oder Stefan Frank von den glorreichen Halunken mit dem wohl legendärsten aller Ziel-Intervies: "Das sind ja Mörder, die Veranstalter, das ist ja der Wahnsinn. Wenn i g'wusst hätt', was mi da erwartet, i wär dahoam blieb'm in meiner Werkstatt". Blieb er aber nicht, sondern holte sich Platz zwei bei den Herren ...

Auch für die "Sprüche des Tages", jeweils bei den Labstationen auf Tafeln aufgemalt, hatte ich Augen: "Immer munter rauf und runter", oder "Tut dir heute alles weh, springe in den Gardasee".

Naja, irgendwann war er dann doch vorbei, dieser letzte Berg, und wir rauschten noch einmal elegant durch die Kehren der Abfahrt. Und zwar schnell genug, um uns die führenden GrandMaster zu holen, womit auch die letzten, aufgrund des Gegenwinds immer mühsamen Kilometer nach Garda "geritzt" waren. Und dann rein in die Zielgerade und hoch die Hände, gerade so wie letztes Jahr, nur dass heuer noch mehr Leute da waren. Was das für ein Gefühl sei, gesiegt zu haben, wurde ich gefragt. Na ein großartiges natürlich! Jetzt sind wir also tatsächlich zweifache Transalp-Sieger mit insgesamt 14 Etappensiegen in der Tasche - das klingt schon ziemlich toll und fühlt sich auch so an - abgesehen von den Schlabber-Beinen ...

Nach einer gewaltigen Pizza, einem Sprung in den Gardasee und einem feinen Cappucchino war die Welt dann überhaupt in Ordnung und ich gerüstet für die Siegerehrung. Wie im Vorjahr gab's vom Stockerl aus den Blick über den Gardasee frei Haus dazu - so lässt sich's gefeiert werden. In diesen Genuss kamen übrigens erneut nicht nur die Sieger, sondern sämtliche Finisher. Alle durften sie sich ihre streng limitierten Trikots abholen, samt einer Medaille, sich am Stockerl fotografieren lassen und sich freuen. Manch Paar lag sich weinend in den Armen, andere sprechen leider nach dieser Woche kaum mehr ein Wort miteinander - aber so ist das eben mit Teambewerben: Die eigene Leistung ist noch nicht mal die Hälfte der Rechnung, dazu kommt die des zweiten und allerlei zwischenmenschliches.

Ob ich es ein drittes Mal wagen möchte, mit dem perfektesten Partner dieser Welt? Mal schauen ... wenn ich richtig viel Zeit habe, zu trainieren, und das Preisgeld in ein etwas leichteres Rad investiere ... Am zwischenmenschlichen zumindest wird es sicher nicht scheitern. Danke Petr! Und natürlich danke Martin und Karin für die Betreuung.

Die Leiden eines Betreuer-Teams: In diesem Feld irgendwo stecken Petr & Lisi – wie sollen die jetzt zu ihren Flaschen kommen?

Gemeinsam mit den grünen GrandMasters zum letzten Mal über die Ziellinie – Yihaaaa!

Und danach ein Siegerbussi – Petr hatte am Morgen dafür extra noch After-Shave aufgetragen .... :-)

Go, Lisi, go! Ob wir’s besser mit dieser Schiebemethode hätten versuchen sollen?

And the Winners are... Lisi und Petr vom Team Hrinkow Bikes Steyr!

Was vom Tage übrig blieb ... Ein zum Weintrinken nicht geeigneter Riesen-Pokal (undicht, wie Max Pritzl umgehend festgestellt hatte) und ein zum Verzehr nur bedingt geeigneter Nudelteller – bin ich froh, dass meine Pizza bis Mitternacht im Magen lag!








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